Geburtsbericht Luise

Meine Schwangerschaft war ganz unkompliziert, allerdings gespickt mit diversen emotionalen Hö-hen und Tiefen. Im 3. Trimester habe ich mir dann Unterstützung bei Elisa Karpe gesucht, weil ich das Gefühl hatte, emotional und mental noch gar nicht in der Schwangerschaft angekommen zu sein und keine wirkliche Verbindung zum Kind im Bauch zu haben.

Die Zeit mit Elisa hat mir sehr geholfen ein positives Geburtsgefühl zu bekommen. Zudem habe ich in kürzester Zeit unheimlich viele interessante und wertvolle Anregungen für die Geburt be-kommen – bei Weitem mehr als in einem „herkömmlichen“ Geburtsvorbereitungskurs. Und ich habe selbst eine Vorstellung meiner Wunschgeburt entwickelt: Ich wollte so lang wie möglich zu Hause bleiben, um so wenig Zeit wie möglich im Krankenhaus zu verbringen. Ich wollte gern vor dem errechneten Termin entbinden, um nicht in die engmaschige Vorsorge zu kommen und vor allem nicht eingeleitet zu werden. Ich wollte eine zügige Geburt, ohne stundenlanges Ausdauern und ich wollte, dass mir niemand reinredet und es so interventionsarm wie möglich verläuft.

Durch Elisas Input und die Art, wie Geburt thematisiert wurde, hat sich meine Einstellung zur Ge-burt von einem „Hoffentlich wird’s nicht so schlimm“ entwickelt zu „Ich freue mich auf die Geburt, weil ich gespannt bin wie sich Wehen anfühlen und weil ich es faszinierend finde, dass der Körper einfach irgendwann anfängt etwas zu machen, was er noch nie gemacht hat. Und dann hat der Verstand nur die Option mitzuziehen.“

Und so wars dann auch: Ich war in SSW 38+3, fühlte mich noch sehr fit und hatte die Schwanger-schaft auch noch nicht satt. Ich wachte nachts 3 Uhr mit einem harten Bauch auf. Soweit nicht ungewöhnlich. Ich bin zur Toilette gegangen und habe mich wieder hingelegt. Aber ich konnte nicht wirklich einschlafen, weil der Bauch wieder hart wurde. Also wieder zur Toilette. Dann merkte ich, wie dieses Hartwerden wiederkehrte. Kein Schmerz, kein Ziehen, einfach ein harter Bauch. Ich aktivierte den Wehentracker auf dem Handy und stelle fest, dass das in einem 2-3 Minuten-Abstand passierte. Nach ca. 30 min rief ich im St. Georg an. Eher aus Neugier. Ich berichtete da-von, dass ich nicht wüsste, ob das Wehen sind, dass es nicht weh tut, dass ich reden kann, aber ich mich über die kurzen Abstände wundere. Ich wurde beruhigt und solange ich nicht blute oder starke Schmerzen hätte, könnte ich ruhig zu Hause bleiben. Es könnten auch Übungswehen sein, die nach einer Stunde wieder aufhören. Mir wurde angeraten ein Bad zu nehmen.
Da ich dazu früh halb vier keine Lust hatte, kuschelte ich mich wieder ins Bett – nur kurz, da ich Liegen als unangenehm empfand. Also räumte ich in der Wohnung rum, ging wieder auf Toilette und sah etwas frisches Blut. Zudem bekam ich etwas Durchfall. Ich rief wieder im Krankenhaus an und berichtete. Die Hebamme meinte, dass das ein gutes Zeichen sei. Da ich aber noch mit ihr reden kann, soll ich so lange wie ich mich wohl fühle zu Hause bleiben. Das könnte noch eine Weile dauern und die Zeit müsste ich ja nicht im Krankenhaus verbringen.
Ich ging duschen. Das warme Wasser war sehr angenehm. Bis dato hatte ich im Rücken / Kreuz-bein nichts unangenehmes bemerkt, stellte aber beim Duschen fest, wie schön entspannt sich warmes Wasser am Rücken anfühlte. Ich ging davon aus, dass es sich sicherlich doch um Übungswehen handelte, da sie nicht stärker wurden. Nach dem ganzen Haarewasch-Prozedere war einige Zeit vergangen. Beim Föhnen bemerkte ich, dass das Druckgefühl im Bauch doch stär-ker wurde. Ich fing an die Wehen leicht zu veratmen, stützte mich dabei immer irgendwo ab und konnte aber immer noch reden. Sobald die Wehe vorbei war, war ich völlig entspannt – als wäre nie etwas gewesen.

Kurz nach 6 Uhr beschloss ich (zur Erleichterung meines Partners) doch mal ins Krankenhaus zu fahren. Nicht weil ich mich sorgte, eher aus Langeweile und mit der Erwartung sicherlich eh wieder nach Hause geschickt zu werden. Auf dem Weg ins Krankenhaus wurden die Wehen deutlich stärker. Da ich vorher angerufen hatte, wurde ich von den Hebammen sehr entspannt begrüßt. Es dauerte eine Weile bis ich „dran kam“ (es war gerade Schichtwechsel), wurde in einen Vorberei-tungsraum (ein kleiner Raum mit Wanne und Liege) gebracht und ans CTG angeschlossen, wel-ches für 30 min geschrieben werden sollte. Nach einigen Minuten bemerkten die Hebammen, dass 30 min CTG wohl recht optimistisch waren und schauten nach dem Muttermund: 4 cm – da war es ca. 6.45 Uhr. Die Hebamme lies Wasser in die Wanne ein.

Beim nächsten Toilettengang sah ich, dass sich der Schleimpfropf gelöst hatte und deutlich mehr Blut abgegangen war. Ich informierte die Hebamme und sollte statt meiner Hose eine Netzunter-hose mit Einlage tragen. Die nächste Wehe war dann deutlich anders: Ich spürte, wie es in den Unterleib drückte und sich meine Stimme beim Tönen änderte. Ich hatte keine Kontrolle mehr über meinen Unterleib und mein Darm entleerte sich. Ich ging wieder zur Toilette, um mich sauber zu machen, da kam schon die nächste Presswehe. In dieser Situation war ich überfordert. Sitzend diese starke Wehe zu veratmen, wo man sich doch gerade so unwohl und schmutzig fühlt. Die Hebamme hörte mich tönen, kam herein und half mir. Wieder draußen (dann untenrum nackt) wa-ren die Wehen nun so stark, dass mir das Festhalten an einem Tisch nicht mehr reichte. Ich stellte mich vor die Wanne über der ein Tuch hing und hielt mich – stehend und leicht nach vorn ge-beugt – daran fest. Die Hebammen hockten auf dem Fußboden hinter mir. Sie fühlten noch ein-mal nach dem Muttermund und spürten bereits das Köpfchen – ich habe es dann auch gefühlt. Dann platzte die Fruchtblase und die Hebammen warfen nur schnell eine Matte über den nassen Fußboden auf dem sie knieten.
Zudem für mich sehr einprägsam: In beiden benachbarten Kreißsälen lagen Frauen in den Press-wehen. Ich hörte beide Tönen und empfand es als sehr energetisch und interessant, dass wir alle genau so klangen. Innerhalb weniger Minuten hörte ich statt der tönenden Frauen Babys schrei-en. Innerhalb einer viertel Stunde kamen 3 Babys zur Welt.

Dementsprechend hatten die Hebammen zu tun. Ich hörte nur, wie immer mal jemand kam und ging und sich höflich vorstellte. Die Kraft einer jeden Presswehe war so stark, dass ich noch deut-lich lauter getönt habe und mich auf die Zehenspitzen stellte. Das war das einzige mal, dass die Hebamme mich „korrigiert“ hat und bat mit den Fersen unten zu bleiben und meine Energie nicht rauszuschreien, sondern eher nach unten zu leiten. Ich sagte, dass ich mich nicht traue (und ha-be in weiser Voraussicht noch meine Turnschuhe ausgezogen, als ich Blut an meinen Beinen herunterlaufen sah). Sie redeten mir gut zu und zwei Presswehen später war schon das Köpfchen draußen. Ich stand da also, eine Reihe Menschen hinter mir, die sich freuten, dass der kleine Mann schon Grimassen schneidet und mein Mann fand es so spannend, dass er sich auch noch daneben hockte. Eine recht witzige, aber auch skurrile Situation. Das Schicksal hatte Humor und so ließ die nächste Presswehe etwas auf sich warten, half dann aber den Rest des Körper zu gebären – da war es 7.24 Uhr.

Da ich im Stehen Justus nicht gut halten konnte, halfen sie mir mich auf die Liege zu legen. Die Nachgeburt kam und ich hatte eine kleine Dammverletzung 1. Grades, die genäht wurde. Dabei war ich zwischen „Aua!“ und „Das kitzelt“ etwas hin und her gerissen. Wir bekamen erst einmal Zeit zum Ankommen. Beim ersten Toilettengang nach der Geburt begleitete mich eine Hebamme – was gut war, da dann mein Kreislauf nicht mehr mitspielte. Nach einer Infusion, etwas Essen, Trin-ken und Zeit, war das wieder in Ordnung. Wir hatten Glück ein Einzelzimmer zu bekommen und mein Mann konnte den ganzen Tag bei uns sein.
Ich weiß nicht, in wie weit die Vorbereitung Einfluss auf die Geburt hat, aber ich bin unendlich dankbar, dass ich die Geburt erleben durfte, die ich mir gewünscht habe.

Nachtrag:
Justus ist jetzt genau 2 Woche alt. So schnell die Geburt war, umso länger brauchte ich im Bin-dungsgefühl mit Justus anzukommen. Und so schmerzfrei die Geburt war, so schmerzvoll ist das Stillen für mich. Alles gleicht sich irgendwie aus :-)